Manpower Österreich
Was bringt die TU fürs Leben?

 

 

 

 

 

 

 

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Technik hoch Management“ der Hochschülerschaft der TU Wien diskutierten unter der versierten Moderation von Mag. Werner Sommer, MAS, Pressesprecher und Assistent des Rektors der TU Wien:

  • Dipl.Ing. Beate Guschal, Absolventin Maschinenbau an der TU Wien, TechWoman of the Year 2005, derzeit Quality Improvment Manager Europe, Technical Problem Solving für sechs europäische Niederlassungen von Carrier Kältetechnik
  • Dipl.Ing. Dr.techn. Ilse-Christine (Ille) Gebeshuber, (noch) Universitäts- assistentin an der TU Wien, Forschungsgebiete Nanophysik und Tribologie, die eben ihre Habilitation abgeschlossen hat und mit Monatsende dem Ruf an die Technische Universität von Kuala Lumpur folgen wird, ferner Initiatorin und Mitbegründerin des Center of Excellence Bionik/Biomimetics
  • Erich Pichorner, Geschäftsführer Manpower
  • Alexandra von Beringe, Studentin der Geodäsie

 

 

 

 


V.l.n.r.:
Erich Pichorner, Ille Gebeshuber, Werner Sommer, Beate Guschal, Alexandra von Beringe

Das TU-Studium: Was bringt es…?
Hier sind sich alle einig: Es geht weniger um das Fachwissen, das auf der TU vermittelt wird, sondern um Methoden und Denkweisen, um den Zugang zu einem Thema und das Rüstzeug für Problemlösungen: „Wir lernen denken,“ analysiert Ille Gebeshuber und Beate Guschal legt nach: „Ich bin immer wieder überrascht, was alles vom Studium ich im Leben brauchen kann – die Theorie ist es nicht.“


… und was fehlt?
Wissenschafterin Ille Gebeshuber und Managerin Beate Guschal brechen jede Lanze für „Ihre“ TU. Dennoch platzen beide sofort heraus, dass die Fachsprache Englisch zu kurz kommt. Wer sie nicht „fluently“ beherrscht, hat keine Chance auf eine internationale Karriere. Schon auf der HTL bauen sich Defizite auf, die sich in der universitären Ausbildung fortsetzen.

Ille Gebeshuber lässt daher ihre Studenten grundsätzlich auf Englisch präsentieren: „Man muss jede Gelegenheit nutzen, um zu üben, üben, üben. Die ersten hundert Präsentationen ist man nervös, ab der hundertundersten nicht mehr.“ Erich Pichorner berichtet von leidvollen Erfahrungen mit Kandidaten, die sich im Bewerbungsgespräch nicht selbst präsentieren konnten: „Man muss ja auch später seine Projekte und Ideen im Unternehmen verkaufen können. Dem Chef wortlos ein Konzept auf den Tisch zu legen genügt nicht.“ Studentin Alexandra von Beringe weiß, dass seit Einführung der neuen Studienordnung mehr Wert auf Soft und Social Skills gelegt wird.


Alte vs Neue Studienordnung
In der Wirtschaft herrschen große Informationsdefizite über den Bologna-Prozess und seine Konsequenzen, berichtet Erich Pichorner. Die Unternehmen fragen FH oder TU-Absolventen nach, können die neuen Titel aber nicht einordnen. Um sich mit Bachelor/Master vs. Dipl.Ing. vertraut zu machen, müssen sie sich erst mit den Stundentafeln beschäftigen und herausfinden, was ein Absolvent gelernt hat. „Die Politik hat das Konzept schnell durchgepeitscht, ohne lang an die Kommunikation zu denken.“


Mindestzeit oder Sidesteps?
Kein Personalchef schaut auf die Studiendauer, wenn ein Bewerber Auslandserfahrung oder zusätzliche Qualifikationen erworben hat, resumiert Erich Pichorner. Beate Guschal bestätigt, dass beides den Berufseinstieg wesentlich erleichtert. Die Zeitverzögerung im Studium amortisiere sich rasch. Auch Alexandra von Beringe plant, ihre Diplomarbeit im Ausland zu schreiben, „um andere Kulturen kennenzulernen, andere Universitäten, soziale Kompetenzen und Lebenserfahrung anzuhäufen.“


Frauen in der Technik: Ein Rosengarten mit Steinen
Beate Guschal erinnert sich an die Reaktionen daheim, als sie einst ihre Entscheidung für ein technisches Studium kundtat: „Meine Mutter hat sogar versucht, es mir auszureden.“ Man müsse schon ein ordentlicher Sturschädel sein, um als Mädchen eine technische Ausbildung durchzuziehen. Technik gelte als extrem uncool, es müsse dringend am Image gearbeitet werden. Ille Gebeshuber: „Wir brauchen positive Rollenvorbilder!“ Als einzige Frau am Institut für Physik in einer gehobener Hiererchiestufe träumt sie von einer Daily Soap für Technikerinnen: „Es gibt Journalistinnen, Polizistinnen, Managerinnen – ich wünsche mir einen McGyver für Frauen!“

Beate Guschal erzählt von ihrem Einstieg in die Praxis: „Ich bin zwar nicht stigmatisiert, aber doch intensiv beäugt worden“ Für Männer gelte als Jobneulinge grundsätzlich die positive Unschuldsvermutung, Frauen müssen ihre Kompetenz erst beweisen. Und Ille Gebeshuber bestätigt: „Manchmal sind mir Steine in der Weg gelegt, manchmal Rosen gestreut worden.“


Berufsaussichten für Techniker: rosarot
„Techniker gehen weg wie warme Semmeln.“ Erich Pichorner kann 50% seiner offenen Engineering-Stellen nicht besetzen, weil es einfach keine Kandidaten dafür im Markt gibt. Aus seiner Sicht ist Technik die Zukunft am Arbeitsmarkt. Für ihn gibt es hier keinen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Kandidaten, obwohl es „hie und da noch verzopfte Firmenchefs gibt“. Man müsse froh sein, überhaupt jemanden zu finden.

Ein Blick über den Tellerrand: Europaweit fehlen 70.000-100.000 Techniker, schätzt der Personalberater. China bildet jedes Jahr 300.000 Nachwuchsleute aus und holt sich dazu die besten Köpfe aus dem Westen: „Aus dem Osten weht in Zukunft ein scharfer Wind.“ Weil Österreichs Stärke nicht billige Massenprodukte, sondern Kreativität und hochwertige Innovationen sind, brauchen wir gut ausgebildete Techniker.

Und: „Die Wirtschaftskrise hat sich auf alle möglichen Berufsgruppen ausgewirkt, aber nicht auf Diplomingenieure!“


Was will der Markt?
Die Klassiker sind immer noch Maschinenbau und Elektrotechnik. Dennoch rät Erich Pichorner den anwesenden Studenten, ihre Studienwahl nicht aufgrund aktueller Strömungen zu treffen: „Lernt das, was euch wirklich interessiert, denn nur damit werdet ihr glücklich!“ Er vergleicht mit einer Managementkarriere: „Spätestens wenn man Führungsverantwortung übernimmt, ist man ganz schnell weg, wenn man etwas sein will, was man nicht ist. Ihr müsst wissen, wer ihr seid und was ihr wollt – dann werdet ihr es gut machen.“

Ille Gebeshuber setzt nach: „Wenn ihr mit Freude und Begeisterung dabei seid und das, was ihr macht, gut macht, dann steht euch die ganze Welt offen!“